Im vergangenen Jahr feierten die BigBrotherAwards ihr 25-jähriges Jubiläum. Als der Preis im Jahr 2000 erstmals im Bielefelder Bunker Ulmenwall verliehen wurde, hatte die Veranstaltung noch längst nicht die Reichweite, die sie heute hat.
Der Entstehung vorausgegangen waren Recherchen rund um ENFOPOL (Enforcement Police). Journalistinnen und Journalisten sowie Datenschützer beschäftigten sich mit europäischen Plänen und Arbeitsgruppen zur Überwachung der Telekommunikation. Bereits in den 1990er-Jahren rückten dabei nicht nur Telefongespräche, sondern zunehmend auch E-Mails und Mobilkommunikation in den Fokus.
In dieser Zeit entstanden und entwickelten sich Organisationen, die sich für Datenschutz und digitale Bürgerrechte einsetzen – darunter Privacy International in Großbritannien und der FITUG (Förderverein Informationstechnik und Gesellschaft) in Deutschland.
Und irgendwann entstand eine ziemlich ungewöhnliche Idee: Warum sollte man besonders problematische Entwicklungen bei Überwachung und Datenschutz nicht mit einem Preis ins Rampenlicht rücken?
So wurden im Jahr 2000 erstmals die BigBrotherAwards Deutschland verliehen – ein Negativpreis, über den sich die Ausgezeichneten eher selten freuen dürften.
Ein Preis auch für Microsoft
Inzwischen ist die Liste der Preisträger lang. Auch große und bekannte Unternehmen finden sich darauf.
Microsoft erhielt beispielsweise 2002 den BigBrotherAward in der Kategorie „Lebenswerk“. Dabei ging es nicht einfach um das Betriebssystem Windows, sondern unter anderem um Microsofts Digital Rights Management (DRM) und die damit verbundenen Möglichkeiten der Kontrolle und Datenerfassung.
Bemerkenswert: Ein Vertreter von Microsoft nahm den Preis damals sogar persönlich entgegen.
Aus kleinen Anfängen wurde eine große Veranstaltung
Seit der ersten Preisverleihung hat sich einiges verändert. Aus der vergleichsweise kleinen Veranstaltung wurde eine professionell produzierte Gala mit Laudatorinnen und Laudatoren, Musik, Beiträgen und humorvollen Einlagen.
Heute, 26 Jahre nach den Anfängen, sitzen die Zuschauerinnen und Zuschauer längst nicht mehr nur vor der Bühne in Bielefeld. Die Preisverleihung kann über einen Livestream weltweit verfolgt werden.
Am 25. September 2026 werden die BigBrotherAwards wieder in der Hechelei im Ravensberger Park in Bielefeld verliehen.
Wer in diesem Jahr einen der ungeliebten Preise erhält, bleibt bis zur Veranstaltung geheim.
Warum die BigBrotherAwards wichtig bleiben
Bei den ausgezeichneten Unternehmen, Behörden und Politikerinnen und Politikern sorgen die BigBrotherAwards nicht immer für Begeisterung. Für Verbraucherinnen und Verbraucher erfüllen sie jedoch einen wichtigen Zweck.
Denn hinter der unterhaltsamen Veranstaltung steckt ein ernstes Thema: Was geschieht mit unseren persönlichen Daten? Wer sammelt sie? Wer überwacht uns – und welche Folgen kann das haben?
Damit sind die BigBrotherAwards nicht nur eine unterhaltsame Show, sondern auch ein Stück Aufklärungsarbeit und eine Erinnerung daran, die eigene digitale Privatsphäre nicht aus den Augen zu verlieren.
BigBrotherAwards 2026 – die Preisträger stehen fest
Am Freitag, dem 25. September 2026, fand in der Hechelei im Ravensberger Park in Bielefeld die 26. Verleihung der BigBrotherAwards statt. Das diesjährige Motto lautete: „Früher hatte Überwachung noch ein Geräusch.“ Wie schon im vergangenen Jahr führte WDR-Moderator Ralph Caspers durch den Abend.
Die Veranstaltung erhält zunehmend Aufmerksamkeit. In diesem Jahr wurden in 26 Städten in ganz Deutschland Public Viewings organisiert. Neben dem Livestream wurde die Preisverleihung auch vom WDR übertragen.
Auch zahlreiche Medien berichteten über die Gala, darunter die Süddeutsche Zeitung, Welt, Stern, netzpolitik.org, taz und heise. Stiftung Warentest griff ebenfalls die Auszeichnung der Optiker Fielmann und Apollo auf.
Die Preisträger 2026
In diesem Jahr wurden die BigBrotherAwards in fünf Kategorien verliehen:
Behörden & Verwaltung: Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erhielt den Preis für die geplante Verwendung der Steuer-ID als einheitliches Personenkennzeichen im Zuge der Registermodernisierung. Die Veranstalter kritisieren die damit verbundenen Möglichkeiten, personenbezogene Daten über verschiedene Register hinweg zu verknüpfen.
Technik: Fielmann und Apollo Optik wurden für den Verkauf von Metas Smart Glasses ausgezeichnet. Die Veranstalter sehen darin eine Normalisierung von Geräten, mit denen Menschen im Alltag möglicherweise unbemerkt gefilmt oder aufgenommen werden können.
Europa: Die EU-Kommission erhielt den Preis für den sogenannten „Digitalen Omnibus“. Nach Ansicht der Veranstalter drohen die geplanten Vereinfachungen, den europäischen Datenschutz zu schwächen.
Zivilgesellschaft: Das Landeskirchenamt der Nordkirche wurde für die verpflichtende Einführung von Microsoft 365 in den Kirchengemeinden ausgezeichnet.
Präventiv: Die Deutsche Telekom AG erhielt einen präventiven BigBrotherAward für die geplante Fusion mit T-Mobile US. Die Veranstalter warnen vor möglichen Auswirkungen auf den Schutz deutscher Kommunikationsdaten vor dem Zugriff US-amerikanischer Behörden.
Auch die Teckids waren wieder dabei
Besonders gut kamen auch in diesem Jahr die Teckids an. Sie kritisierten ein pauschales Social-Media-Verbot für junge Menschen und machten deutlich, dass Kinder und Jugendliche sichere digitale Räume brauchen.
Statt digitaler Aufenthaltsverbote setzen sie auf digitale Mündigkeit, sichere Angebote und freie Alternativen.
Ein Abend, der zum Nachdenken anregt
Die BigBrotherAwards verbinden Unterhaltung mit einem ernsten Anliegen: Sie machen auf Entwicklungen aufmerksam, die nach Einschätzung der Veranstalter den Datenschutz und die digitale Selbstbestimmung gefährden.
Auch in diesem Jahr bot die Preisverleihung zahlreiche Anregungen, den eigenen Umgang mit persönlichen Daten und digitalen Technologien kritisch zu hinterfragen.
Die nächste Verleihung der BigBrotherAwards ist für das Frühjahr 2028 angekündigt.
Alle Preisträger, die ausführlichen Begründungen und weitere Informationen zur Veranstaltung sowie zu Digitalcourage finden Sie auf der Website der Veranstalter.
„Ein Abend, der zeigt: Datenschutz ist kein trockenes Thema – und manchmal hilft auch eine Portion Humor, um auf ernste Probleme aufmerksam zu machen.“


